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Mungbohnen keimen

In dem letzten Artikel über die Mungbohnen habe ich Euch versprochen, die Keimfähigkeit der  Mungbohnen, die ich billig aus Asiamarkt eingekauft habe, zu testen. Dies habe ich auch getan, zwei Mal sogar!

Den ersten Versuch habe ich vor zwei Wochen gestartet: der scheiterte kläglich. Statt neues Leben zu sprießen, haben die Mungbohnen nach vier Tagen im Wasserbad angefangen, einen fauligen Geruch auszustoßen. Wieder ein Fall für die Tonne, leider.

Was habe ich falsch gemacht? Mit dieser Frage war ich stundenlang im Internet unterwegs, bis ich glaubte, die Ursache gefunden zu haben: Die Samen brauchen Wärme, Sauerstoff und Feuchtigkeit.  Vom “Wasserbad” ist nicht die Rede.

Das dürfte der Grund sein, denn meine Mungbohnen lagen die ganze Zeit komplett unter Wasser! Nachdem ich das Keimgerät gründlich geschrubbt habe, habe ich einen neuen Versuch gewagt. Mit einem Mungbohnen-Tagebuch habe ich das Ganze für Euch dokumentiert.

 

Donnerstag, den 24. September

Kurz bevor ich ins Bett ging, habe ich eine handvolle Mungbohnen gewaschen und zum Einweichen ins Wasser gestellt.

 

Freitag, den 25. September

Im Einweichwasser habe ich leicht-bräunliche, transparente Partikeln entdeckt. Da ich nicht genau wusste, was das ist, habe ich einfach das Wasser zweimal gewechselt.

Nach 24 Stunden war ein Teil der Mungbohnen in der Mitte aufgeplatzt.

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Samstag, den 26. September

Nach dem Mittagsessen habe ich ungefähr 10 Bohnen aussortiert, die nicht gequollen sind. Den Rest habe ich noch einmal gut mit Wasser gespült und die Bohnen auf die gerillte Keimschale verteilt. Die Keimschale habe ich dann ins Keimgerät gestellt.

In China wird die Sprossen-Zucht traditionell in einer Dunkelkammer durchgeführt. Um dies zu imitieren, habe ich das Keimgerät mit einem Küchentuch bedeckt und in die Mikrowelle verbannt. Wenn man dies nicht macht, könnte es sein, dass sich die Mung-Sprossen rosa verfärben und bitter schmecken.

Dreimal habe ich die Keimschale mit den Bohnen rausgeholt und jeweils 30 Sekunden lang unter Leitungswasser geduscht. Danach ließ ich das Wasser abtropfen und die Mungbohnen kamen wieder zurück ins Keimgerät.

Nach 48 Stunden haben die meisten Bohnen angefangen zu keimen.

 

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Sonntag, den 27. September

Vier Mal habe ich die Keime gespült. Nach 72 Stunden sind sie schon fast richtige Mung-Sprossen geworden, obwohl noch nicht ausgewachsen. Eine rosa Verfärbung konnte ich noch nicht feststellen. Ich habe da gehofft, dass dieser Zustand weiter hält. Was mich persönlich stört ist, dass die Mung-Sprossen nicht gerade nach oben wachsen.

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Montag, den 28. September

Drei Mal wurden die Mungbohnen gespült. Nach 96 Stunden sind die Sprossen ca. 2-3 cm gross geworden. Einige wenige waren rosa gefärbt. Außerdem hatten viele Bohnen jetzt Fliegenbeinchen mit sehr feinen Härchen.

Was ist das? Schimmel? Ich habe jedenfalls nichts gerochen. Nach einer halben Stunden google’n habe ich auch hier die Antwort gefunden: Die Mungbohnen und einige andere Samen bilden beim Keimen feinste Haarwurzeln, die wie Schimmel aussehen.  Eine Geruchsprobe kann helfen, die Haarwurzeln vom echten Schimmel zu unterscheiden.

Um ganz sicher zu gehen, habe ich eines der “Fliegenbeinchen” probiert. Es hat ganz neutral geschmeckt und ich habe danach keinen Durchfall bekommen.

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Dienstag, den 29. September

Wie üblich habe ich die Mungbohnen drei Mal geduscht. Die Sprossen sind weiter gewachsen. Mit den leichtbräunlichen Wurzeln waren sie jetzt ungefähr 3-4 cm lang.

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Ein paar der Bohnen waren scheinbar nicht mehr gut:

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Mittwoch, den 30. September

Nach 6 Tagen war endlich Erntezeit.

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Die selbstgezüchteten Mung-Sprossen sind etwas dünner als die gekauften, weil ich auf die Sprossen keine Gewicht gelegt habe, so wie bei der professionellen chinesischen Aufzucht von Mungbohnen gemacht wird.  Da ich auch keine chemischen Mittel verwendet habe, haben die Sprossen auch längeren Wurzeln. Vom Geschmack her sind sie dadurch wesentlich frischer und haben einen sehr angenehmen Mungbohnen-Duft.

Fazit:

Für die Keimung brauchen wir keine teure Saat aus dem Reformhaus. Billige Bohnen aus dem Supermarkt tun auch ihre Arbeit.

 

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Mungbohnen und Asiaten

Die Mungbohnen (chin. 绿豆) sind ein wichtiger Bestandteil der asiatischen Küche. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie zuzubereiten. Die Mung-Sprossen sind sicherlich die in den westlichen Ländern bekannteste aber gleichzeitig auch langweiligste Variante. Ja, die Mung-Sprossen sind langweilig, und ich habe mich diesmal richtig ausgedrückt.

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