China Reisebericht 2012

Ein Blick aus dem Zug

Ohne das Buch Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand* wäre meine China-Reise etwas langweilig gewesen.

Bei dem Hinflug ist das komplette Unterhaltungssystem an Bord ausgefallen. Auch ausgefallen sind die Beleuchtung am Sitz, die Ruftaste und die Hälfte der Toiletten. Der gute Service hat sich ebenfalls verabschiedet und es gab zwischen zwei Mahzeiten nicht mal Erdnüsse als Snack. Ohne das dicke Buch, das ich mir aus Gewohnheit am Flughafen besorgt habe, wäre der 11-stündige Flug schwer zu ertragen gewesen.

In diesem Jahr habe ich scheinbar die falsche Urlaubszeit gewählt. Wenn ich mir überlege, habe ich jedes Jahr die falsche Zeit ausgesucht: zu kalt, zu heiss, zu viel Regen oder zu viel Staub… Das Klima in meiner Heimat ist unberechenbar geworden.

Seit dem ersten Tag in China hat es geregnet, genieselt, geschüttet und geklatscht. Diese langwierige Regen-Periode wurde nur von einigen wenigen Tagen mit Sonne und 30°C unterbrochen. In der kostbaren “Trockenzeit” bin ich mit dem neuen High Speed Railway mit einer Geschwindigkeit von über 350 km/h nach Guangzhou gesaust und mich mit zwei Ex-Arbeitskolleginnnen und guten Freundinnen getroffen. Seit über 10 Jahren haben wir nicht zusammen geklatscht und getratscht. Daher fiel es diesmal besonders heftig aus. Sie haben stundenlang über die überwältigenden Ereignisse berichtet, die in den letzten 10 Jahren rund um einen Ex-Arbeitgeber und die Ex-Kollegen passiert sind: Geld, Affären, Bestechung, Gefängnis, Mord, politische Kämpfe, Schicksale… wie ein guter Krimi voller Spannung und Höhepunkte.

Ein Blick aus dem Zug

Ein Blick aus dem Zug: ein chinesischer Dorf

Die restliche Zeit habe ich exotisches Obst probiert und dabei das Buch gelesen, Fern geguckt und dabei das Buch gelesen oder auch alles gleichzeitig gemacht. Das gute Buch aus Schweden ist auf seine eigene Art komisch.

So sah mein Leben aus

So sah mein Leben aus: mit einem Schüssel Obst vor Fernsehen

Dieser lässige, unglaublich gemütliche Zustand wurde nur von dem täglichen Einkauf in diversen Supermärkten unterbrochen. Dabei habe ich regelmäßg einen Schock bekommen: die Lebensmittelpreise in China sind stark angestiegen. Beispiele: Bio-Schweinefleisch 40 RMB (ca. 5 €)/kg, Äpfel 14 RMB (ca. 1,7 €)/kg, Scholle 76 RMB (ca. 9,5€)/kg. Die paar Lebensmittel, die unten links im Einkaufswagen zu sehen sind, haben ca. 160 RMB bzw. ca. 20 € gekostet.

Chinesische Supermärkte

Chinesische Supermärkte

Was preislich noch günstiger als in Deutschland ist, sind Dienstleistungen. Eine medizinische Massage von ausgebildeten Masseuren kostet gerade mal 60 RMB (ca. 7,5 €) pro Stunde; eine Schröpfglas-Behandlung 20 RMB (ca. 2,5 €). Als ich nach China fuhr, hatte ich seit mehreren Monaten sehr starke Nacken- und Rückenbeschwerden. Die diversen Probleme und damit verbundenen fast unerträglichen Schmerzen habe ich durch mehrere Massagen, Schröpfglastherapien und Moxibustion mit weniger als 50 € fast vollständig auskurieren lassen.

Chinesische Massage, Schröpfglass

Im Massage-Krankenhaus wurde ich wieder hergerichtet

Für China-Interessierende, die eine Reise planen, habe ich noch einige kleine Tipps zusammengefasst:

1. Die Flugtickets kaufe ich ausschliesslich über chinesische Reisenbüros. Sie sind ein wenig günstiger als Alltours und Co. Mit www.sileigh.com habe ich gute Erfahrungen gemacht. Die Preise dort sind nicht immer die günstigsten, dafür sind die Mitarbeiter immer freundlich und zuverlässig.

Mit Air China bin ich sehr häufig geflogen, weil es erstens relativ sicher und zweitens im Vergleich zu Lufthansa günstig ist. In den letzten Jahren ist der Service von Air China immer schlechter geworden. Daher fliege ich ab und zu mit China Eastern Airlines – eine neue Fluggesellschaft aus Shanghai. Innerhalb China hatte China Eastern einige Unfälle. Intercontinental ist sie bis jetzt relativ sicher.

2. Innerhalb Chinas kann man entweder fliegen oder mit dem Zug reisen. Bei den Flugtickets könnte bzw. sollte man mit Reisebüros vor Ort handeln. Es ist nicht aussergewöhnlich, dass ein Rabatt von 40% bis 50% gewährt wird. Mit diesem Rabatt ist ein Flugticket nicht viel teurer als ein Zugticket.

Mit dem Zug ist es auch sehr bequem. Die Schinenverkehr wurde in den letzten Jahren sehr gefördert und die Züge, die mit D und G (High Speed)  anfangen sind sehr neu und entsprechen die westlichen Standards. Die Zugtickets könnte man entweder an Verkaufsstellen in der Stadt oder direkt im Bahnhof kaufen. Am Automat könnte man nur mit einem Personalausweis die Tickets holen. Ausländer muss am Schalter mit dem Pass die Tickets erwerben.

3. Ein Hotelzimmer muss man nicht zwingend buchen; Man bekommt fast immer ein Zimmer. Wenn man richtig Pech hat und das ausgesuchte Hotel ausgebucht ist, geht man einfach ein paar Meter weiter zu dem nächsten Hotel. Dies gilt allerdings nur für größere Städte.

Es gibt in China mittlerweile viele Economic-Hotels wie z. B. Super 8, Home Inns, Hanting Inns & Hotels, wo ein Doppelzimmer pro Nacht ca. 200 bis 300 RMB kostet.  Die Zimmer sind etwas schlechter als Accor und Etap in Deutschland. Aber für ein Paar Nächte könnte man es dort gut aushalten.

Wenn ich ein Hotel überhaupt buche, mache ich es über die Seite www.elong.net. Das Unternehmen macht einen relativ (!) professionellen Eindruck.

4. Beim Essen sollte man aufpassen. Die Lebenmittelsicherheit ist ein sehr heikles Thema in China. In den Touristenstädten wie z. B. Beijing, Shanghai oder Xian könnte man sich an den Sternen bzw. Diamanten vom Restaurant orientieren. Je mehr, desto besser. Ich gehe häufig zum Restaurant mit vier bzw. fünf Diamanten. Wenn man dort keinen Seefood und Schwalbennest bestellt, könnte man mit 200 RMB ein sehr gutes Essen für zwei bestellen. Bei vielen bekannten, traditionellen Restaurants liegt der Preis noch deutlich drunter. In den wenigen bekannten, nicht so touristisch angesagten Städten ist dann Glück gefragt. Ich weiss selbst nicht, wie ich es machen soll. Der einzige Trick, den ich verraten kann, ist: bestelle lieber Gerichte, die nicht stark gewürzt und verarbeitet sind. Dann schmeckt man es raus, falls irgend ein Lebensmittel nicht frisch ist.

Falls Du eine China-Reise planst und ein paar mehr Informationen brauchst, hier einige Reiseführer für meine Heimat:


Noch mehr Reiseberichte:

China kulinarisch: Xi’an
Reisebericht China 2011-1: Unterwegs
Reisebericht China 2011-2: Aliens in Shanghai

Reisebericht China 2011-3: Schwalbennest and Co.
Reisebericht China 2011-4: Xihulou

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